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Wofür würdet ihr das Leben opfern?

6. december

Narodno pozorište, Sarajevo

+ Diskussion mit dem Autor
Moderator: Dino Mustafić

Englisch

Gibt es eine Idee, für die ihr eure Leben opfern würdet? Die Darbietung des provokativen und energiegeladenen Stückes, das junge Schauspieler aus Bosnien-Herzegowina und Serbien spielen, scheint gerade das zu sein, wofür sie ihr Leben opfern würden!

Darsteller: Katarina Bradonjić, Dimitrije Aranđelović, Tamara Šustić, Kemal Rizvanović, Fedor Đorović, Sanela Krsmanović-Bistrivoda, Miloš Lazić, Peđa Marjanović, Mina Pavlica, Dražen Pavlović, Gabor Pongo, Mia Simonović, Ema Stojanović, Marko Vasiljević, Dušan Vukašinović, Nikola Živanović Musik: Rastko Ilić Licht: Nikola Marinkov Grafikdesign: Enes Huseinčehajić Szenenbildner: Lada Maglajlić und Vedad Orahovac Kostüm: Irma Saje Koreografie: Thomas Steyaert Produktion: East West Centar Regie: Haris Pašović

„Die Idee für dieses Stück kam mir, als ich vor einigen Monaten im Rahmen des Masterstudienganges Schauspiel an der Akademija umetnosti in Novi Sad mit den StudentInnen in der Klasse von Prof. Boris Isaković gearbeitet habe. Wir abeiteten an Theaterportraits von Menschen, die ihr Leben für diese Idee geopfert haben. Ich fragte die Schauspieler: „Wofür würdet ihr das Leben opfern?“ Lässt man die Familie, für die die meisten ihr Leben hergeben würden, weg, bleibt die Frage, ob es eine Idee oder ein Projekt gibt, für welches wir unser Leben opfern würden? So begann der sehr aufregende Prozess, in welchem wir Schicksale, Ideen, Philosophien, Bekenntnisse – parallel dazu auch neue Theaterformen erörterten. Das Zeitalter der allgemeinen Kommunikation verändert das Kommunikationsparadigma. Wer sind die Identitäten, die in dem virtuellen Raum kommunizieren? Wirkliche Menschen? Kreierte Identitäten? Eine Gruppe mit einem einheitlichen „Ausgang“ in der Form einer Identität? Automatisierte Identitäten? All diese Identitätsformen schließt die moderne Kommunikation in dem virtuellen Raum ein. Die Erzähler in unserem Stück stehen hinter den IP-Adressen; es ist weniger wichtig, wer und was sie sind, als das, was sie sagen; Ihre Identitäten kommunizieren in dem virtuellen intellektuellen Raum/in der Zeit. Menschen, über die sie sprechen, entstehen in dem mentalen Raum der Gruppe dieser kommunizierenden Identitäten. Jede Identität hat Zugriff auf die Geschichte, formt und beeinflusst sie mit ihren Beiträgen. Auf Anhieb mag das komplex klingen, ist es aber nicht. Es ist nur der moderne Diskurs, der über die traditionalen Dramaturgieformen hinaus geht, denn sie reichen dem Paradigma, in welchem wir leben, nicht aus. Wir schaffen ein intellektuelles Theater, das aber von dem Zuschauer ohne universitäre Bildung oder ohne viele Informationen, nicht entfremdet ist. Unser Theater ist jedem Zuschauer zugängig; die Ideen gehören allen. Unser Theater beruht auf Fakten, ist aber nicht dokumentarisch. Das ist das Theater der Wirklichkeit. Das Leben und die Kunst verschmelzen in dem kreativen Ausdruck, der dringend gebraucht wird.“ Haris Pašović