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Die Verwendung des Menschen

5. december

Pozorište mladih, Sarajevo

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Moderator: Dino Mustafić

Englisch

Der Roman Upotreba čovjeka, ein Meisterwerk von Aleksandar Tišma, erscheint zum ersten Mal als Theaterstück. Das ist eine Geschichte über die Suche nach einem verlorenen Leben, einem Leben, wie es nie gelebt wurde. Die Regie führte Boris Liješević, einer der sensibelsten Regisseure auf dem Balkan. Es spielen: Emina Elor, Draginja Voganjac, Dušan Vukašinović

Darsteller: Emina Elor, Jugoslav Krajnov, Predrag Marjanović, Draginja Voganjac, Aljoša Điđić, Danilo Milanović, Dušan Vukašinović, Musik: Stefan Ćirić Szenenbildner: Željko Piškorić Dramaturgie und Dramatisierung: Fedor Šili Koproduktion: Novi Tvrđava Teatar, East West Centar Sarajevo, Stadt Budva und Ujvideki Szihnaz Novi Sad Romanautor: Aleksandar Tišma Regie: Boris Liješević

Upotreba čovjeka ist die Geschichte über eine Welt, in welcher Religions-, Rassen-, politische und jede andere Intoleranz die Oberhand hat. Der Wahnsinn greift um sich, die Menschen hoffen, er würde sich nicht auf das friedliche Novi Sad ausdehnen und Europa und die Welt würden es nicht zulassen, dass sich der Nazismus ausbreitet – so unternehmen sie nichts, obwohl alles dafür spricht, dass sie sich auf und davon machen und retten sollen. Sie sind fest überzeugt, dass am Ende die Vernunft siegt.

Die Hauptfigur ist Vera Kroner, eine junge Frau aus einer reichen jüdischen Familie, die mit ihrer eigenen, aber auch mit anderen jüdischen Familien aus dem herrschatlichen Haus in Novi Sad 1943 nach Auschwitz verschleppt wird. Vera überlebt als einzige dieses schreckliche Leben und angsteinflößende Erlebnisse, im Lager wird sie nämlich in ein „Freudenhaus“, ein Bordell gebracht, wo ihnen die Sexdienste, die sie den SS-Soldaten absolvierten, das Leben verlängerten und den Weg zum Krematorium aufschoben.

Es stellt sich Frage, ob man überleben soll, auch wenn einem die ganze Welt zusammenbricht und ausgelöscht wird? Ist es nicht besser, ist es nicht ehrenhafter, mit ihr zusammen zu verschwinden? Soll man ums Leben kämfen, auch wenn sich in der Folgezeit Traumata und Bilder grausamster Ereignisse ablösen, immer wieder zurückkehrende Bilder, die einen nicht in Ruhe lassen. Wird es dann überhaupt Ruhe, ein Heim, geben können? Und, wie soll man denn nicht um sein Leben kämpfen, wo doch der Überlebensinstinkt der stärkste menschliche Trieb ist? Wie kann man denn einem erklären, dass das Leben keinen Sinn macht? Die nun wirkende Kriegspsychologie verwandelt den Menschen in eine Ware, in einen Stoff, der der Verwirklichung fremder Absichten dient. Ist dann der Überlebensinstinkt nicht ein Feind, der enien ins Verderben treibt? Was ist bloß der Mensch, was ist ihm denn alles eigen? – das ist die zentrale Frage für die Arbeit an diesem Stück. Ein Wesen, das sich den Umständen anpasst? Im Frieden ist er ein zivilisierter Bürger, der sich für die Friedenswerte einsetzt, und im Krieg wird er Teil des berüchtigten Mechanismus, das, indem es die Befehle umsetzt, tausende Anderer kränkt und in den Tod schickt. Nach dem Krieg trifft man ihn dann wieder in irgendeinem friedlichen Familienumfeld. Die Umstände verändern den Menschen. Er passt sich an. Er wird zu dem, was die Umstände von ihm verlangen.

In dem Stück wirken 6-8 Darsteller mit, sie transformieren sich leicht und vor Ihren Augen aus einer Figur in eine andere, ohne den Entstehungsprozess von Situationen zu verschleiern, wodurch sie diese große eposartige Geschichte über Krieg und Mensch szenenbildnerisch einfacher und ihre Bedeutung und Narration übersichtlich gestalten.