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Pozorište mladih Sarajevo
pon-pet: 10-14h i 17-20h
nedelja 10-14h
Tel: 033 442 572 ili
033 202 303

Podiumsdiskussion

Wozu Politik?

30. november

Sarajevski ratni teatar, Sarajevo

Eine fabelhafte und neue Generation von Politdenkern aus Bosnien-Herzegowina diskutiert darüber, ob wir die Politik überhaupt noch brauchen.

BH Premiere, Film

Der Vollmond

30. november

Cinema City, Sarajevo

Das wahre Bild des gegenwärtigen Bosnien-Herzegowina kann man in einer kleinen Polizeidienststelle innerhalb einer einzigen Nacht sehen und erleben. Ein brilliantes Darstellerteam, angeführt von Alban Ukaj, Boris Ler, Ermin Sijamija, Izudin Bajrović, Mediha Musliović.

2019/Bosnien-Herzegowina/85 Min

Darsteller: Alban Ukaj, Ermin Sijamija, Mediha Musliović, Boris Ler, Izudin Bajrović, Jasna Diklić, Muhamed Hadžović, Fotografiedirektor: Amel Đikoli, Schnitt: Redžinald Šimek Tongestalter: Igor Čamo Musik: Enes Zlatar Kostümbildnerin: Irma Saje Szenenbildner: Vanja Nogo Produzenten: Amra Bakšić Čamo und Adis Đapo Produktion: SCCA/Pro.ba Drehbuch: Nermin Hamzagić und Emina Omerović Regie: Nermin Hamzagić

Es ist Vollmond. Der Polizeiinspektor Hamza bringt seine Frau in den Kreissaal. Die Fruchtblase ist geplatzt und der Arzt hat eine dringende Entbindung angeordnet. Hamza ist besorgt, muss aber die Frau im Krankenhaus alleine zurücklassen, da man ihn in der Nacht nicht von der Arbeit freistellen wollte. In der Dienststelle scheinen die Vollmond-Mythen Wirklichkeit zu werden. Hamza trifft im Flur einen Jungen, Tarik. Er ist gleichzeitig der Bote des Untergangs und der Wachengel, er ist jemand, der ihn auf Probe stellt. Einer nach dem anderen kommen die Geister in die Dienststelle.

Podiumsdiskussion

Öffentliche Gewalt an Frauen

1. december

Klub 1, Sarajevo

Hängt der Anstieg der öffentlichen Gewalt an Frauen in öffentlichen Funktionen in Bosnien-Herzegowina, Serbien und Kroatien mit dem Anstieg der Morde an Frauen in den genannten Ländern zusammen? Warum hassen die Leute die Frauen derart und warum misshandeln sie sie öffentlich?

Film

Die Belagerung

1. december

Cinema City, Sarajevo

Die Meschen in diesem Film wussten zum Zeitpunkt des eigenen Interviews nicht, was die anderen gesagt haben. Einige werden vielleicht dieses Portrait von Sarajevo nicht mögen, aber der Film zeigt das Wesen von Sarajevo.

2016/Bosnien-Herzegowina, Frankreich/90 Min

Fotografiedirektoren: Mustafa Mustafić, Faris Dobrača, Nils Ruinet Schnitt: Audrey Maurion Produktion: Agat Films & Cie, Arte France, INA, SCCA/pro.ba Drehbuch: Remy Ourdan Regie: Remy Ourdan & Patrick Chauvel

Am Ende des zwanzigtsen Jahrhunderts erlitt Sarajevo die längste Belagerung in der modernen Geschichte. Die Belagerung ist ein Film über die Menschen, die diese Belagerungserfahrung erlebt und überlebt haben, ein Film über die Erfahrungen der Belagerten. Die Geschichte über Sarajevo ist eine Geschichte über belagerte Städte, über Kampf und Widerstand. Es ist eine universelle Geschichte über schreckliche Herausforderungen, mit denen sich die Zivilisation in ihrem Überlebenskampf auseinanderzusetzen hat. Sarajevo hat Widerstand geleistet und hat überlebt.

BH Premiere, Film

In der Luft

1. december

Cinema City, Sarajevo

Der neuste Film einer der berühmtesten bosnisch-herzegowinischen Regisseurinnen spricht über die sekundären Kriegsopfer – einer Kategorie, die in diesem Land vollkommen vernachlässigt wird. Überraschend ist, dass diese dramatische Geschichte oft in lustige Episoden abschweift.

2019/Frankreich, Bosnien-Herzegowina /30 Min

Teilnehmer: Damir Ibrahimović, Sabina und Esad Ibrahimović, Samir Čengić, Marko Emer, Maria Paluh, Tongestalter: Igor Čamo Kamera: Eldar Emrić, Christine A. Maier Schnitt: Vladimir Gojun Musik: Damir Imamović Produzent: Damir Ibrahimović Dramaturgie: Zoran Solomun Drehbuch und Regie: Jasmila Žbanić

Der Film In der Luft zeigt uns, wie 24 Jahre nach Kriegsende die Menschenleben noch immer von den Verbrechen bestimmt werden: Damir, der Ehemann der Regisseurin, litt jahrelang an Flugangst und zog bei ihren gemeinsamen Dienstreisen eine Autofahrt oder eine Bahnreise vor. Jasmila Žbanić kehrt dieses Mal in die Vergangenheit zurück und macht sich mit Damir und seinen Freunden an den Orten der Kampfaustragungen in Sarajevo zur Spurensuche auf. Jasmila spricht mit Damir über die Erfahrungen aus den Kämpfen, die er verinnerlicht hat, über seine Wunden und seine Ängste. Dieses Erforschen ergab einen kreativen Film über eine Lebensgeschichte, in welchem sich Damir nach und nach öffnet, schließlich sich selbst überwindet und ins Flugzeug steigt.

BH Premiere, Film

Welcher Staat ist das!

2. december

Cinema City, Sarajevo

Eine absurd schräge Tragödie, die über ein Transitionsland und unerfüllte patriotische Träume spricht. Ein Werk des berühmten Autorentandems aus Kroatien – des Drehbuchautors Mate Matišić und des Regisseurs Vinko Brešan. Es spielen: Nikša Butijer, Krešimir Mikić, Lazar Ristovski.

2019/Kroatien/118 Min

Darsteller: Krešimir Mikić, Lazar Ristovski, Nikša Butijer, Sebastian Cavazza, Dražen Kühn, Daniel Olbrychski Fotografiedirektor: Branko Linta h.f.s. Schnitt: Sandra Botica Brešan Tongestalter: Bartosz Putkiewicz Musik: Maciej Zielinski Kostümbildnerin: Željka Franulović Szenenbildner: Damir Gabelica Produzent: Ivan Maloča Produktion: Interfilm (HR) Drehbuch: Mate Matišić Regie: Vinko Brešan

Ein selbstmordgefährdeter General, Minister in der Regierung Kroatiens, der sich freiwillig in eine Gefängsniszelle einsperrt und Eltern (Kroaten, Serben und Bosniaken), die Särge mit Überresten verstorbener Präsidenten stehlen, um die Regierung zu erpressen.

BH Premiere, Film

Das Tagebuch von Diana B.

3. december

Cinema City, Sarajevo

Eine Frau hat Tausende serbische Kinder vor dem sicheren Tod in Jasenovac, dem Todeslager des Ustascha-Regimes in NDH bewahrt. Dieser erschütternde Film bekam den vielleicht längsten Applaus bei dem Pula Film Festival. Es spielen: Alma Prica, Mirjana Karanović, Igor Samobor, Ermin Bravo.

2019/Kroatien, Slowenien, Serbien/88 Min

Darsteller: Alma Prica, Igor Samobor, Biserka Ipša, Mirjana Karanović, Krešimir Mikić, Ermin Bravo, Jelena Paljan Fotografiedirektor: Jasenko Rasol Musik: Alen Sinkauz, Nenad Sinkauz Schnitt: Marko Ferković Szenenbildner: Dušan Milavec, Ivo Hušnjak Kostümbildner: Martina Franić Tongestalter: Jakov Munižaba Produzenten: Miljenka Čogelja, Olinka Vištica Produktion: Hulahop Drehbuch und Regie: Dana Budisavljević

In dem Unabhängigen Staat Kroatien (NDH) gelten Rassengesetze. Im Herbst 1941 erfährt Diana Budisavljević, dass Mütter und Kinder mit orthodoxem Hintergrund in Lager, die sich in der Nähe von Zagreb befinden, verschleppt werden. Auch ihr Ehemann Julije Budisavljević, ein in Zagreb bekannter Arzt, bekommt eine Nummer und ein Zeichen. In dem angsterfüllten und bedrohungsträchtigen Umfeld beginnt Diana mutig ihre Humanität unter Beweis zu stellen: Mit einigen Freunden startet sie in ihrer Wohnung eine risikante Aktion, die dazu führt, dass mehr als 10 Tausend Kinder vor dem sicheren Tod gerettet werden konnten. Wegen der politischen Wende ist ihre österreichische Herkunft nicht erwünscht, und ihre Rolle in der größten Rettungsaktion im Zweiten Weltkrieg wird bis heute verschwiegen.

Film

Tiefe zwei

4. december

Cinema City, Sarajevo

Der Dokumentarfilm Tiefe zwei ist Teil der Recherche für den Spielfilm Teret, der über ein grausames Verbrechen und die Verschwörung, es zu vertuschen, handelt. Diese zwei Meisterwerke sind ein zu tiefst erschütterndes Film-Diptychon. Eine ausgezeichnete Darstellung von Leon Lučev.

2016/Serbien, Frankreich/80 Min

Schnitt: Jelena Maksimović Kamera: Tatjana Krstevski Tongestalter: Jakov Munižaba Produktion: Dragana Jovović, Non-Aligned Films, Sandra Orlović, Fond za humanitarno pravo Koproduktion: Sophie Erbs, Cinema Defacto (Frankreich) Drehbuch und Regie: Ognjen Glavonić

Als Kombination von Zeugnissen und Aufnahmen der Orte, an denen vor 17 Jahren Verbrechen begangen wurden, ist Tiefe zwei ein mit Thrillerelementen durchsetzter Dokumentarfilm über ein Massengrab in einer Belgrader Vorstadt. In dem Versuch, diese noch immer von Schweigen umhüllten Geschichten offenzulegen, sie zu beleuchten und das Geflüster darüber hörbar zu machen, spricht der Film in seiner meditativen und hypnotisierenden Art die Phantasie sowie die Erlebnis- und Gefühlswelt der Zuschauer an.

Film

Die Last

4. december

Cinema City, Sarajevo

Der Dokumentarfilm Tiefe zwei ist Teil der Recherche für den Spielfilm Teret, der über ein grausames Verbrechen und die Verschwörung, es zu vertuschen, handelt. Diese zwei Meisterwerke sind ein zu tiefst erschütterndes Film-Diptychon. Eine ausgezeichnete Darstellung von Leon Lučev.

2018/Serbien/98 Min

Darsteller: Leon Lučev, Tamara Krčunović, Pavle Čemerikić, Ivan Lučev Kamera: Tatjana Krstevski Schnitt: Jelena Maksimović Tongestalter: Jakov Munižaba Szenenbildner: Zorana Petrov Produktion: Non-Aligned Films Regie und Drehbuch: Ognjen Glavonić

Der Debüt-Spielfilm von Ognjen Glavonjić, Die Last, hatte im Rahmen der Quinzaine – Directors Frotnight seine Uraufführung beim Filmfestival in Cannes 2018. Im Film fahren wir während des NATO-Angriffes gegen Serbien 1999 mit dem Hauptdarsteller Vlada (gespielt von dem phänomenalen Leon Lučev) in seinem LKW. Indem er von einem Standort in Kosowo eine nicht bekannte Fracht nach Belgrad fährt, trifft Vlada die verschiedensten Typen in dem Kriegsschauplatz Serbien. Mit seiner ausgezeichneten Regie und der spezifischen visuellen Darstellung eröffnet dieses Werk durch die Darstelung des Kosowo-Dramas aus den neunziger Jahren des vorigen Jahrhunderts nur Fragen über das Verhältnis der Vergangenheit und der Gegenwart und spricht auch das Bedürfnis der auf dem Balkan lebenden Menschen, das verstreute Geschichtsnarrativ durch das Leben mehrerer Generationen wiederzuverknüpfen, an.

BH Premiere, Theater

Hasanaginica

4. december

Pozorište mladih, Sarajevo

Eine der größten Geschichten auf dem Balkan in einer neuen, aufregenden Vision der Dramaturgin Vedrana Božinović und Andraš Urban, eines der wichtigsten Regisseure auf dem Balkan. Hauptdarstellerin ist die faszinierende Marta Bereš.

Darsteller: Marta Bereš, Daniel Husta, Arpad Mesaroš, Terezia Figura, Livia Banka, Atila Nemet, Gabor Pongo, Zoltan Širmer, Daniel Gomboš, Robert Ožvar Szenenbildner: Andraš Urban Kostümbildnerin: Milica Grbić-Komazić Musik: Irena Popović Produktion: Novosadsko pozorište/Ujvideki Szinhaz Dramaturgie: Vedrana Božinović Dramentext: Ljubomir Simović Regie: Andraš Urban

Hasanaginica ist nicht nur eine alte Geschichte über Liebe und Schmerz, über Mann und Frau, über die Familie. Hasanaginica ist vor allem eine Geschichte über die Frau. Über Frauen. Über ihre Lage. Mitten in weltweit und um uns herum aufsehenserregenden Skandale wegen Misshandlung von Frauen, kommt eine ewige Geschichte über die ewige Misshandlung der absoluten Frau und Mutter. Das Stück hinterfragt, welche Figur man uns heutzutage als Teil der Meinungsmanipulation – einer religiösen oder politischen Manipulaton, einer Systemmanipulation, oder irgend einer anderen Manipulatinsart unterstellt, welcher weibliche Archetyp wird uns unterstellt.

„Bietet das Stück dem Publikum Hoffnung? Ich weiß nicht, was im Theater, in der Kunst, Hoffnung bedeutet … Im Leben ist es was Anderes. Wenn ich mir ein Stück ansehe, das über die Hoffnungslosigkeit des Lebens spricht – und wenn das Stück gut ist – bin ich hoffnungsfreudig. Hoffnung ist für mich die Vitalität und die Authenzitität des Theaters, der Kunst, und das ist unsere Botschaft. Ich denke nicht, dass Hoffnung machen Ideologie ist. Das trägt das Stück in sich mit. Die Welt ist so, und wir sprechen bestimmtes Problem an.”

Andraš Urban

BH Premiere, Film

Das Vermächtnis

5. december

Cinema City, Sarajevo

Ein einzigartiges Filmdenkmal, das das kollektive Leiden im Zweiten Weltkrieg auf dem Territorium des Unabhängigen Staates Kroatien vermittelt.

2016/Serbien/88 Min

Fotografiedirektor: Pablo Ferro Živanović Musik: Ana Ćurčin, Goran Antović Schnitt: Aleksandar Jaćić, Stevan Lung Produzenten: Ivan Jović, Ivica Vidanović Produktion: Terirem produkcija, Cinnamon Production Drehbuch: Ivan Jović Regie: Ivan Jović

Ein einzigartiges Filmdenkmal, das das kollektive Leiden im Zweiten Weltkrieg auf dem Territorium des Unabhängigen Staates Kroatien (NDH) vermittelt. Der Film ist ein Auszug aus einem großen Archiv, geschnitten aus Filmmaterial mit mehr als 450 Stunden aufgezeichneter Zeugenaussagen, die man innerhalb von vier Jahren aus den Gesprächen mit 94 Zeitzeugen gesammelt hat. Es ist eine Geschichte ohne Erzähler, Geschichtsforscher und ohne Archivbilder, bestehend aus unmittelbaren Aussagen von Zeitzeugen, die die erloschenen Opferstimmen bis in unsere Zeit weitervermitteln. Der Film hat den Opfern das einmalige Recht gegeben, ihre eigenen Leiden selbst zu schildern. Er ist der Abschied von einer ganzen Generation und ein Filmdenkmal, das ihr unsere Generation errichtet.

Konzert

Damir Avdić

5. december

Sarajevski ratni teatar, Sarajevo

Der originellste und provokativste Musiker auf dem Balkan.

Musiker: Damir Avdić (Vokal) Arrangement: Damir Avdić

East West Centar in Koproduktion mit dem JazzFest Sarajevo

Theater, Weltpremiere

Die Verwendung des Menschen

5. december

Pozorište mladih, Sarajevo

Der Roman Upotreba čovjeka, ein Meisterwerk von Aleksandar Tišma, erscheint zum ersten Mal als Theaterstück. Das ist eine Geschichte über die Suche nach einem verlorenen Leben, einem Leben, wie es nie gelebt wurde. Die Regie führte Boris Liješević, einer der sensibelsten Regisseure auf dem Balkan. Es spielen: Emina Elor, Draginja Voganjac, Dušan Vukašinović

Darsteller: Emina Elor, Jugoslav Krajnov, Predrag Marjanović, Draginja Voganjac, Aljoša Điđić, Danilo Milanović, Dušan Vukašinović, Musik: Stefan Ćirić Szenenbildner: Željko Piškorić Dramaturgie und Dramatisierung: Fedor Šili Koproduktion: Novi Tvrđava Teatar, East West Centar Sarajevo, Stadt Budva und Ujvideki Szihnaz Novi Sad Romanautor: Aleksandar Tišma Regie: Boris Liješević

Upotreba čovjeka ist die Geschichte über eine Welt, in welcher Religions-, Rassen-, politische und jede andere Intoleranz die Oberhand hat. Der Wahnsinn greift um sich, die Menschen hoffen, er würde sich nicht auf das friedliche Novi Sad ausdehnen und Europa und die Welt würden es nicht zulassen, dass sich der Nazismus ausbreitet – so unternehmen sie nichts, obwohl alles dafür spricht, dass sie sich auf und davon machen und retten sollen. Sie sind fest überzeugt, dass am Ende die Vernunft siegt.

Die Hauptfigur ist Vera Kroner, eine junge Frau aus einer reichen jüdischen Familie, die mit ihrer eigenen, aber auch mit anderen jüdischen Familien aus dem herrschatlichen Haus in Novi Sad 1943 nach Auschwitz verschleppt wird. Vera überlebt als einzige dieses schreckliche Leben und angsteinflößende Erlebnisse, im Lager wird sie nämlich in ein „Freudenhaus“, ein Bordell gebracht, wo ihnen die Sexdienste, die sie den SS-Soldaten absolvierten, das Leben verlängerten und den Weg zum Krematorium aufschoben.

Es stellt sich Frage, ob man überleben soll, auch wenn einem die ganze Welt zusammenbricht und ausgelöscht wird? Ist es nicht besser, ist es nicht ehrenhafter, mit ihr zusammen zu verschwinden? Soll man ums Leben kämfen, auch wenn sich in der Folgezeit Traumata und Bilder grausamster Ereignisse ablösen, immer wieder zurückkehrende Bilder, die einen nicht in Ruhe lassen. Wird es dann überhaupt Ruhe, ein Heim, geben können? Und, wie soll man denn nicht um sein Leben kämpfen, wo doch der Überlebensinstinkt der stärkste menschliche Trieb ist? Wie kann man denn einem erklären, dass das Leben keinen Sinn macht? Die nun wirkende Kriegspsychologie verwandelt den Menschen in eine Ware, in einen Stoff, der der Verwirklichung fremder Absichten dient. Ist dann der Überlebensinstinkt nicht ein Feind, der enien ins Verderben treibt? Was ist bloß der Mensch, was ist ihm denn alles eigen? – das ist die zentrale Frage für die Arbeit an diesem Stück. Ein Wesen, das sich den Umständen anpasst? Im Frieden ist er ein zivilisierter Bürger, der sich für die Friedenswerte einsetzt, und im Krieg wird er Teil des berüchtigten Mechanismus, das, indem es die Befehle umsetzt, tausende Anderer kränkt und in den Tod schickt. Nach dem Krieg trifft man ihn dann wieder in irgendeinem friedlichen Familienumfeld. Die Umstände verändern den Menschen. Er passt sich an. Er wird zu dem, was die Umstände von ihm verlangen.

In dem Stück wirken 6-8 Darsteller mit, sie transformieren sich leicht und vor Ihren Augen aus einer Figur in eine andere, ohne den Entstehungsprozess von Situationen zu verschleiern, wodurch sie diese große eposartige Geschichte über Krieg und Mensch szenenbildnerisch einfacher und ihre Bedeutung und Narration übersichtlich gestalten.

Forum

Forum für junge Leader

6. december

Hotel Europa, Sarajevo

Masterclass: Herausforderungen der modernen GesellschaftBetreuer: Dino Mustafić

Die schnelle Technikentwicklung, das Abenteuer des liberalen Kapitalismus, die Krise der Demokratie, Klimaveränderungen, die Stärkung der extremen Rechten, Terrorismus – all das sind große Herausforderungen für die moderne Gesellschaft. Ist es eine normale Dynamik in der Gesellschaft, die uns dramatisch erscheint, da sie für uns neu ist, oder ist es doch eine Krisenzeit der heutigen Welt? Was entscheidet darüber, ob ein Leader einer besseren Gesellschaft oder einem größeren Chaos beiträgt? Dino Mustafić ist Regisseur und Professor, ein gesellschaftlich engagierter Intellektueller, der mitseinen Texten, Interviews und Tweets auf die Bildung der öffentlichen Meinung Einfluss nimmt.

Masterclass: Freiheit und der Geist – Macht Engagement in der Gesellschaft überhaupt Sinn?Betreuer: Igor Vuk Torbica

Wirkt sich die Kunst oder sonst was Anderes auf die Gesellschaft und Politik aus? Ist es zwecklos, Angelegenheiten der Gesellschaft öffentlich zu erörtern? Igor Vuk Torbica ist aktuell einer der besten Nachwuchsregisseure in Europa. Seine Aufführungen sprechen künstlerisch sehr stark an und sind gleichzeitig engagiert.

Masterclass: Das Problem der Identität – Betreuerin: Ana Dević

Ein Gespräch über Politik oder die Politisierung der Identität. Es wird über den Zwiespalt zwischen der Überzeugung, die Identität sei das, was wir als Individuen über sich selbst denken und glauben einerseits, und den Identitätsmerkmalen andererseits, die uns in Familie, Schule, Religionseinrichtungen, Medien und aus den staatlich dirigierten Formen aufgezwungen werden, gesprochen. Glauben wir daran, dass es zwischen solchen Identitäten ein harmonisches Verhältnis gibt oder geben soll? Erkennen wir diesen Zwiespalt oder eher nicht? Können wir etwas dafür tun, diese Kluft zu überbrücken? Ana Dević ist Soziologieprofessorin, die an zahlreichen Universitäten in den USA und Europa (Deutschland, Italien, Großbritannien, Serbien, Türkei) unterrichtet hat. Derzeit hat sie eine Professur an der Universität KU in Löwen inne.

Podiumsdiskussion

Demokratie: Ideal? Option? Problem?

6. december

Pozorište mladih, Sarajevo

Georges Papandreou, ehemaliger Premierminister Griechenlands, spricht über die Demokratie aus der Perspektive einer Stadt, die die Demokratie erfunden hat. Warum brauchen wir die Demokratie heute mehr denn je?

Podiumsdiskussion

Europa und Demokratie – Ist das das Ende von Politik?

6. december

Pozorište mladih, Sarajevo

Ist die aktuelle Situation in Europa nur eine Krise der Demokratie oder ist es ihr Ende? Internationale Debatte über die für Europa wichtigste Frage.

Theater

Wofür würdet ihr das Leben opfern?

6. december

Narodno pozorište, Sarajevo

Gibt es eine Idee, für die ihr eure Leben opfern würdet? Die Darbietung des provokativen und energiegeladenen Stückes, das junge Schauspieler aus Bosnien-Herzegowina und Serbien spielen, scheint gerade das zu sein, wofür sie ihr Leben opfern würden!

Darsteller: Katarina Bradonjić, Dimitrije Aranđelović, Tamara Šustić, Kemal Rizvanović, Fedor Đorović, Sanela Krsmanović-Bistrivoda, Miloš Lazić, Peđa Marjanović, Mina Pavlica, Dražen Pavlović, Gabor Pongo, Mia Simonović, Ema Stojanović, Marko Vasiljević, Dušan Vukašinović, Nikola Živanović Musik: Rastko Ilić Licht: Nikola Marinkov Grafikdesign: Enes Huseinčehajić Szenenbildner: Lada Maglajlić und Vedad Orahovac Kostüm: Irma Saje Koreografie: Thomas Steyaert Produktion: East West Centar Regie: Haris Pašović

„Die Idee für dieses Stück kam mir, als ich vor einigen Monaten im Rahmen des Masterstudienganges Schauspiel an der Akademija umetnosti in Novi Sad mit den StudentInnen in der Klasse von Prof. Boris Isaković gearbeitet habe. Wir abeiteten an Theaterportraits von Menschen, die ihr Leben für diese Idee geopfert haben. Ich fragte die Schauspieler: „Wofür würdet ihr das Leben opfern?“ Lässt man die Familie, für die die meisten ihr Leben hergeben würden, weg, bleibt die Frage, ob es eine Idee oder ein Projekt gibt, für welches wir unser Leben opfern würden? So begann der sehr aufregende Prozess, in welchem wir Schicksale, Ideen, Philosophien, Bekenntnisse – parallel dazu auch neue Theaterformen erörterten. Das Zeitalter der allgemeinen Kommunikation verändert das Kommunikationsparadigma. Wer sind die Identitäten, die in dem virtuellen Raum kommunizieren? Wirkliche Menschen? Kreierte Identitäten? Eine Gruppe mit einem einheitlichen „Ausgang“ in der Form einer Identität? Automatisierte Identitäten? All diese Identitätsformen schließt die moderne Kommunikation in dem virtuellen Raum ein. Die Erzähler in unserem Stück stehen hinter den IP-Adressen; es ist weniger wichtig, wer und was sie sind, als das, was sie sagen; Ihre Identitäten kommunizieren in dem virtuellen intellektuellen Raum/in der Zeit. Menschen, über die sie sprechen, entstehen in dem mentalen Raum der Gruppe dieser kommunizierenden Identitäten. Jede Identität hat Zugriff auf die Geschichte, formt und beeinflusst sie mit ihren Beiträgen. Auf Anhieb mag das komplex klingen, ist es aber nicht. Es ist nur der moderne Diskurs, der über die traditionalen Dramaturgieformen hinaus geht, denn sie reichen dem Paradigma, in welchem wir leben, nicht aus. Wir schaffen ein intellektuelles Theater, das aber von dem Zuschauer ohne universitäre Bildung oder ohne viele Informationen, nicht entfremdet ist. Unser Theater ist jedem Zuschauer zugängig; die Ideen gehören allen. Unser Theater beruht auf Fakten, ist aber nicht dokumentarisch. Das ist das Theater der Wirklichkeit. Das Leben und die Kunst verschmelzen in dem kreativen Ausdruck, der dringend gebraucht wird.“ Haris Pašović

Forum

Forum für junge Leader

7. december

Hotel Europa, Sarajevo

Ausstrahlung des Films „Belagerung“ – Autor: Remy Ourdan

Remy Qurdan kam 1992, kurz nach dem Ausbruch des Krieges nach Sarajevo, als Berichterstatter für einen französischen Rundfunksender. Er war damals 22. Bis heute blieb Sarajevo sein wichtigstes Thema. Er hat einen Film über die Belagerung Sarajevos gedreht, den viele für den besten Film über dieses Thema halten. Remy bereist heute die Welt und forscht über den Widerstand gegen Unrecht und gegen das Böse.

Q&A mit Remy OurdanGast: Remy Ourdan

Masterclass: Warum ist die Wahrheit wichtig? – Betreuer: Remy Ourdan

Von der Belagerung Sarajevos bis zur Schlacht um Mossul, seit drei Jahrzehnten schreibt Remy Ourdan seine Kriegsgeschichten, immer nahe an Frontlinie und Kämpfer, im Versuch, ihre Motive zu verstehen und das Schicksal der zivilen Bevölkerung und der Verbrechen an ihr zu thematisieren. In der Welt, in der Politik und Technologie oft zum Leugnen dienen, spricht er von der Bedeutung der Wahrheit.

Podiumsdiskussion

Westbalkan am Kreuzungspunkt: Die Zukunft der euro-atlantischen Integration

7. december

Klub 1, Sarajevo

Sarajevo Fest Kunst und Politik In Zusammenarbeit mit der Fondacija zajedničkog društva i vrijednosti Sarajevo

Podiumsdiskussion

Geschichtsfälschung, wahre Folgen

7. december

Pozorište mladih, Sarajevo

Einige der besten Geschichtsforscher auf dem Balkan diskutieren über den allanwesenden Trend der Geschichtsfälschung. Ihre Folge ist das Entstehen einer verzerrten Wirklichkeit.

Verleihung des Susan-Sontag-Preises

7. december

Pozorište mladih, Sarajevo

Susan Sontag Seit mehreren Jahrzehnten haben Journalisten- und Akademiker die „allgemeine Position“ eingenommen, dass Intelektuelle als gesellschaftliche Schicht obsolet und anachronistisch sind … Jetzt hört man Stimmen, die behaupten, dass auch Europa tot sei. Korrekter sollte es vielleicht heißen, Europa solle erst geboren werden: ein gegenüber eigenen Minderheiten verantwortungsbewusstes Europa, ein Europa, das sich für Werte einsetzt, für deren Verinnerlichung es keine Alternative gibt (Europa soll multikulturell sein oder gar nicht). Und Bosnien ist Europas selbstinduzierte Fehlgeburt. „Die Gesellschaft ist vor allem eine von sich selbst vorgegebene Idee,“ so Émile Durkheim. Die Idee, das Selbstbild der prosperitären, friedlichen Gesellschaften Europas und Nordamerikas, dass man durch Handlungen und Aussagen aller, die man Intelektuelle nennen könnte zustande bringt, ist eine Idee von Lotterwirtschaft, Verantwortungslosigkeit, Selbstsucht, Feigheit …und die Suche nach Glück. Nach unserem Glück, nicht nach deren. Hier, nicht dort.

— Susan Sontag

Der Susan-Sontag-Preis für kritische Meinung wird von SARAJEVO FEST UMJETNOST I POLITIKA und David Rieff, Schriftsteller aus New York und Sohn von Susan Sontag eingeführt. Susan Sontag war eine der größten Intellektuellen des 20. Jahrhunderts und eine kompromisslose Kritikerin politischer und gesellschaftlicher Ereignisse. Sie kam, um die Bewohner vom belagerten Sarajevo zu unterstützen, und schrieb über die Belagerung in Zeitungen und anderen Publikationen, die weltweit erschienen. Währenddessen führte sie in Sarajevo die Regie des Stückes „Warten auf Godot“ von Samuel Beckett.

Der Susan-Sontag-Preis 2019 wurde an Olivier Py, den französischen Regisseur und Direktor eines der größten und wichtigsten Theaterfestivals weltweit, des Festivals von Avignon (Festival d-Avignon), verliehen. Olivier Py ist ein Künstler, Denker, ein Kritiker gesellschaftlicher Ereignisse und Aktivist. In vielen Texten, die er in französischen Zeitungen veröffentlicht hat, setzt er sich für die Minderheitsrechte ein. Er schreibt und spricht gegen den Rassismus und gegen die polizeiliche Brutalität. Olivier Py setzt sich laut für die Immigranten und für die Rechte sexueller Minderheiten ein. Er spricht sich klar gegen extreme Rechtspolitiken aus.

Im Juli 1995 leitete Olivier Py einen Künstlerprotest ein und forderte die französische Regierung auf, unerlässlich in Srebrenica zu intervenieren und die bosnischen Muslime zu schützen. Seinen Protest setzte er fort, indem er mit zwei Kollegen einen Hungerstreik gegen die Politik Frankreichs in Bosnien-Herzegowina begann.

Das ganze Berufsleben von Olivier Py ist ein Beispiel kritischer Meinungsäußerung, einer besonderen künstlerischen Schöpfung und humaner Rechtschaffenheit.

Film

Ich bin..

7. december

Cinema City, Sarajevo

Ein wunderbares Portrait der neuen Bewohner Europas, ein Werk der großen italienischen Fotografin Luise Menazzi Moretti.

2017/Italien/10 Min

Autorin: Luisa Menazzi Moretti

Ich bin… ist der Titel eines Fotoprojektes von Luise Menazzi Moretti mit Portraits und persönlichen Geschichten einer Flüchtlingsgruppe aus dem öffentlichen Aufnahmezentrum SPRAR in der italienischen Basilicati-Region. Das Ergebnis dieses Projektes ist eine Ausstellung, die in mehreren Städten gezeigt wurde, ein in Italienisch und Englisch übersetztes Buch und ein Video, das nun auch in vielen italienischen Schulen gezeigt wird.

Film

Ajvar

7. december

Cinema City, Sarajevo

Sie haben das Land verlassen. Sie kommen zurück, um ihre Familien zu besuchen; sie leben zwischen zwei Welten ... Eine emotionale Geschichte und eine in klassischem Stil geführte Regie von Ana Maria Rossi mit phänomenalen Darstellern wie Sergej Trifunović, Nataša Ninković und Vesna Čipčić.

2019/Serbien/100 Min

Darsteller: Nataša Ninković, Sergej Trifunović, Vesna Čipčić, Miodrag Krstović, Pavle Pekić, Gordan Kičić Musik: Bojan Zulfikarpašić Tongestalter: Vladan Korać Fotografiedirektor: Maja Radošević Schnitt: Mateja Rackov Szenenbildner: Mina Lazarević Kostümbildner: Ksenija Trezović Produzentin: Nikolina Vučetić Zečević Produktion: Biberche (RS) Artikulacija (MNE) Drehbuch: Ana Maria Rossi, Maja Todorović Regie: Ana Maria Rossi

Vida und Bane sind ein Ehepaar, das schon länger in Stockholm lebt. Sie sind erfolgreich, haben eine Karriere und genügend Geld, um sich ein anständiges Leben leisten zu können, sie haben einen Hund, aber keine Kinder. Vida glaubt, dass Bane in Belgrad eine Liebschaft hat, sie schweigt aber. Zu Ostern kommen sie nach Serbien, wo sich in dem vertrauten Umfeld die eingespielten und immer wieder vorkommenden Ereignisse aus ihrem Gastarbeiter-Dasein abspielen. Während dieser Ostertage bricht aber diese Mauer des Schweigens … Wir sind Zeugen der letzten Tage eines Verhältnisses, einer verbrauchten Ehe, Zeugen der letzten Tage des emeinsames Lebens zweier Menschen. Sie wollten dieses Ende nicht, und sie versuchen, in der einzigen ihnen bekannten Art und Weise damit zurecht zu kommen: Sie versuchen auf bekannten und eingestampften Pfaden weiter zu gehen und so wie früher zu leben. Wir sind Zeugen des Untergangs einer Welt, des Ausbrechens aus einem Mikrokosmos, nach welchem zwei Menschen ihr Leben in entgegengesetzten Richtungen weitergestalten.

Konzert, Weltpremiere

Lieder der Befreiung

7. december

Sarajevski ratni teatar, Sarajevo

Emblematische Lieder aus dem 20. Jahrhundert, mit neuen und wunderbaren Arrangements von Dino Šukalo und in faszinierender Ausführung von Marija Šestić und Narcis Zečić.

Musiker: Marija Šestić (Vokal), Narcis Zečić (Vokal, Flöte), Dino Šukalo (akustische und elektrische Gitarren, Elektronik, Vokal), Adis Sirbubalo (Klaviatur, Elektronik, Akkordeon), Edvin Hadžić (Basgitarre, Gitarre, Uhr okal), Amar Češljar (Trommeln, Elektronik, Vokal) Arrangement: Dino Šukalo

Forum

Forum für junge Leader

8. december

Hotel Europa, Sarajevo

Masterclass: Neue europäische Bewohner – Betreuerin: Julija Bala

Wer sind diese Menschen, die aus Afghanistan, dem Irak, Syrien, Pakistan, Somalia, Nigeria, Burkina Faso und anderen Ländern
nach Europa kommen? Warum kommen sie? Wie werden sie in Europa leben? Wie verändert sich Europa?

Julija Bala hat sich noch in Jugoslawien auf Kinderpsychologie spezialisiert. Seit dreißig Jahren lebt sie in den Niederlanden und ist dort eine der führenden Expertinnen für Migranten- und Flüchtlingsfragen.

Masterclass: Warum mögen Diktaturen keine Cafe-Bars? – Betreuerin: Marta Šimečkova

Wie kommt es zum Bruch zwischen Politik, Moral und intellektuellem Leben? Warum gehören Zusammenleben und Freiheit dazu? Welchen Raum braucht es? Debatte über den öffentlichen Raum: Wie kann er intim und offen, und dementsprechend auch frei sein? In totalitären Regimes: Wie kann privater Raum wie bspw. Wohnung zum offenen Raum werden, und dadurch zum öffentlichen und freien? Debatte über die Möglichkeiten für Menschen, Freiräume in Diktaturen und totalitären Gesellschaften zu schaffen, sogar in extremer Situation, wie die in einem Gefängnis. Kurze Geschichte von Cafés als Orten der intellektuellen Debatten in West- und Mitteleuropa.

Marta Šimečkova ist eine der Mitbegründerinnen des Central European Forum, das seit 30 Jahren in Bratislava stattfindet und einige der interessantesten europäischen Intellektuellen zu Gast hatte. Besonders interessant ist die osteuropäische intellektuelle Landschaft, die, obwohl auf dem Balkan wenig bekannt, sehr dynamisch ist.

Masterclass: Kunst, Umwelt und Nachhaltigkeit – Betreuerin: Tamar Bruggemann

Wie können Kunst und Kultur im 21. Jahrhundert sinnhaft bleiben? Welche Rolle spielen sie in Bezug auf ökologische und soziale Nachhaltigkeit? Wo stehen sie in Bezug auf aktuelle Themen wie Vielfältigkeit, Inklusion, faire Praxis, faire Gehälter? Bis zu welchem Maße ist die klassische Infrastruktur aus dem 19. Jahrhundert passend für das Publikum des 21. Jahrhunderts?

Tamar Brüggemann(1981), Leiterin von Festivals in Holland, spricht über unterschiedliche Aspekte der Nachhaltigkeit in der Kultur und erzählt über ihre Gründe, die Festivals Wonderfeel und What About Now zu gründen.

Preise

Verleihung des Zdravko-Grebo-Preises

8. december

Klub 1, Sarajevo

Zdravko Grebo Wie konnte Thomas Mann den Faschismus erkennen, und Heidegger konnte es nicht? Wie konnte er von Carl Schmitt nicht erkannt werden, aber von Willy Brandt? Worum handelt es sich denn? Das ist ein Enigma, und es ist das, worüber wir die ganze Zeit sprechen. Natürlich denke ich nicht, dass wir weltweit die besten Menschen seien, doch ist es eine Frage der eigenen Auswahl: Was möchte man machen? Das, was hierbei villeicht wichtig zu betonen wäre, ist, dass es zum Unterschied zu manchen Gamins und Spitzbuben, die daraus ihren eigenen Nutzen ziehen wollen, Menschen gibt, die davon überhaupt keinen unmittelbaren Vorteil haben, die aber glauben. Die glauben an die Idee, ich weiß aber nicht welche – die Idee der Nation, des tausendjährigen staatsbildenden kroatischen Traums oder des Serbentraumes, das Himmelvolk zu sein, oder, zum ersten Mal die Idee der Entstehung eines muslimischen Staates? Sie sind einfach Missionare, und solche sind am gefährlichsten. Und Viele wissen es hier.

— Zdravko Grebo

 

Der Zdravko-Grebo-Preis wird an Dragan Markovina für das Essay „Ist es möglich, entgegengesetzte Kollektivgedächtnisse zu reunieren?“ aus dem Buch „Libanon an der Neretva: Gedächtnis- und Vergessenskultur“ verliehen. Das Buch des hervorragenden Geschichtsforschers, Politologen und Kolumnisten erschien in seiner Heimatstadt Mostar in Koproduktion des Centar za kritičko mišljenje und des Portals Tačno.net.

„Libanon an der Neretva“ fasziniert mit der, vom Autor kennerisch bei der Darstellung der neueren und älteren Geschichte von Mostar verwendeten, konzentrierten Analytik und der Kraft seiner Argumentation. Durch seine intellektuelle Rechtschaffenheit und ethische
Erhabenheit bietet Markovina zum ersten Mal in unserer Publizistik eine Lösung, wie unsere Hassgefühle ein Ende nehmen können, an.

Das Essay „Ist es möglich, entgegengesetzte Kollektivgedächtnisse zu reunieren?” bietet uns dar, wie wir unsere Traumata und Konflikte mit den außer Frage stehenden Werten des Antifaschismus und der Solidarität miteinander vereinbaren können. Markovina schreibt scharf und kritisch, mit viel emotionaler Ausdrucksstärke und spiegelt mit seiner Schreibweise das Schicksal seiner Heimatstadt wider. Es ist Zeit, das Gemeingefühl der Resignation, des Verlustes und der Trauer durch Politiken des Friedens und der Hoffnung genesen zu lassen. Dieses Gefühl der Hoffnung und die versöhnungsbringende Vision der Stadt, die sich erholt hat, strömt auf den Leser über und bleibt dort haften.

Die Jury, bestehend aus Ognjenka Finci, Haris Pašović und Dino Mustafić, hat Dragan Markovina den Zdravko-Grebo-Autorenpreis einstimmig zuerkannt.

Theater

Tartuffe

8. december

Narodno pozorište, Sarajevo

Ein Projekt von Igor Vuk Torbica, entstanden in Koproduktion von Srpsko narodno pozorište Novi Sad und Narodno pozorište Sombor; eine modernisierte Version des klassischen Stückes von Moliére.

Darsteller: Saša Torlaković, Hana Selimović, Ninoslav Đorđević, Tijana Marković, Marko Marković, Biljana Keskenović Komponist: Vladimir Pejković Szenenbildnerin: Andreja Rondović Kostümbildnerin: Jelisaveta Tatić Čuturilo Koproduktion: Srpsko narodno pozorište i Narodno pozorište Sombor Nach den Motiven: Originaldrama „Tartuffe“ von Moliére Autor und Regisseur: Igor Vuk Torbica

Das Stück Tartuffe, ein Projekt von Igor Vuk Torbica, entstand in Koproduktion von Srpsko narodno pozorište in Novi Sad und Narodno pozorište Sombor; es ist eine modernisierte Version des klassischen Stückes von Moliére, die als Ergebnis des Projektes Komično u klasičnom entstanden ist. Das zentrale, auf die religiöse Heuchelei bezogene Thema im Originaltext des Moliére-Dramas sind Heuchelei und Lüge; in der Adaptation von Igor Vuk Torbica, welche die Darsteller während der Arbeit durch mutige Improvisationen unterstützten, zielt das durch einen Familienrahmen dargestellte Thema auf aktuelle Probleme in der Gesellschaft ab. Das Stück deckt unsere Moralschwäche, die Ausmanipuliertheit durch das aufgebürdete Schuldgefühl, unser Abfinden mit unakzeptablen Lebensbedingungen, unsere Unterwürfigkeit, Dummheit und Lüge auf.

Konzert

You fascists bound to lose

8. december

Klub 1, Sarajevo

Klassiker amerikanischer Politsongs; Woody Guthrie und Bob Dylan in fabelhafter Ausführung eines Professors für Politikwissenschaften und Musikers!

Musiker: Saša Leskovac, Asim Mujkić, Dino Šukalo, Adis Sirbubalo, Edvin Hadžić Arrangement: Saša Leskovac und Asim Mujkić

Herr Dr. Saša Leskovac und Herr Prof. Dr. Asim Mujkić sind ein Protestduo aus Sarajevo. In der zweiten Hälfte der achtziger Jahre führten die beiden Professoren im Café Zvono in Sarajevo (Protest) Songs über Humanismus, Politik, Freiheit aus. In dem Konzert All you Fascists Bound to Lose werden die Professoren unter Begleitung der Unplugged Fraktion der Jazz Guerilla aus Sarajevo Songs von Woody Guthrie, Dylan und anderen Protestsong-Sängern vorführen.

Forum

Forum für junge Leader

9. december

Narodno pozorište, Mostar

Masterclass: Das Problem der Identität – Betreuerin: Ana Dević

Ein Gespräch über Politik oder die Politisierung der Identität. Es wird über den Zweispalt zwischen der Überzeugung, die Identität sei das, was wir als Individuen über sich selbst denken und glauben einerseits, und den Identitätsmerkmalen andererseits, die uns in Familie, Schule, Religionseinrichtungen, Medien und aus den staatlich dirigierten Formen aufgezwungen werden, gesprochen. Glauben wir daran, dass es
zwischen solchen Identitäten ein harmonisches Verhältnis gibt oder geben soll? Erkennen wir diesen Zwiespalt oder eher nicht? Können wir etwas dafür tun, diese Kluft zu überbrücken?

Ana Dević ist Soziologieprofessorin, die an zahlreichen Universitäten in den USA und Europa (Deutschland, Italien, Großbritannien, Serbien, Türkei) unterrichtet hat. Derzeit hat sie eine Professur an der Universität KU in Löwen inne.

Masterclass: Gründe fürs Gehen, Gründe fürs Bleiben – Betreuerin: Chris Keulemans, Willemijn Lamp

Viele junge und begabte Menschen im Westbalkan träumen davon, auszuwandern. Was muss sich ändern, damit sie bleiben? Welche Instrumente können wir nutzen, um eine bessere Gesellschaft zu schaffen? Und wenn sie gehen, wie können sie diese Gelegenheit am besten nutzen?

Keulemans ist Mitbegründer und Kulturdirektor von drei Kulturzentren in Amsterdam: Perdu, De Balie und De Tolhuistuin. Er hat acht Drama- und Prosawerke sowie zahlreiche Essays, Reiseberichte und Berichte über Krieg, Migrationen, Film, Fußball, Theater, urbane Fragen und visuelle Kunst veröffentlicht. Lamp ist Mitbegründerin und eine der Leiterinnen des Literaturfestivals Read My World in Amsterdam. Sie arbeitet als freie Kuratorin, Dramaturgin, Theater- und Literaturkritikerin sowie Kunstberaterin.

Podiumsdiskussion

Vision 2030: Wohin steuert Bosnien-Herzegowina?

9. december

Narodno pozorište, Mostar

Einige der erfahrensten ehemaligen Politiker aus dem Balkan sprechen über die Zukunftsperspektiven in der Region.

Theater

Ein Angebot, das nicht abgelehnt wird

9. december

Narodno pozorište, Mostar

Man zwingt eine Prostituierte, einen Migranten falsch anzuzeigen: Wer handelt da unethisch? Das ausdrucksstarke Ensamble wird von Mina Pavlica und Miloš Lazić angeführt.

Darsteller: Mina Pavlica, Miloš Lazić, Dušan Vukašinović, Peđa Marjanović, Vukašin Ranđelović Szenen- und Kostümbildner: Maja Ivanović und Luna Šalamon Licht: Branislav Milinković und Nikola Marinkov Tongestalter: Rastko Ilić Produktion: Udruženje Otelotvorenje und East West Centar Sarajevo Textautor: Miljan Mandić Regie: Haris Pašović und das Ensemble

Ponuda koja se ne odbija ist ein Text von Miljan Mandić, in Regie von Haris Pašović und dem Ensemble. Die Handlung geschieht in einem Grenzstädchen in Serbien, in welches Mila Pavlović, eine Prostituierte aus Belgrad, anreist. In dem Zug wurde sie die Zeugin des Mordes an einem Migranten. Mächtige Beschützer des Mörders verfolgen Mila in der Absicht einer Vertuschung des Verbrechens. Es folgt eine ganze Reihe von fatalen Wenden in der Verbrechensspirale …

„Das Stück versucht zu entdecken, worin sich der Patriotismus der serbischen Gesellschaft, der unzählige Male der Xenophobie und dem Hass gegen andere diente, widerspiegelt; wie tief ist dieser Patriotismus in der serbischen Gesellschaft und in ihrem kollektiven Bewusstsein verwurzelt; wieviel reale Probleme haben eigentlich die Migranten aus dem Nahen Osten (die man wie eine Seuche, ein fatales Virus, oder wie etwas, was einer mittelalterlichen Pestpandemie ähnelt, behandelt); und wie gelingt es den Machthabern, alle ihre Fehler und Missstände mithilfe der Machtsysteme zu Gunsten eigener Interessen „auszubügeln“ und das der Öffentlichkeit und dem kleinen, einfachen Menschen (in diesem Fall den „Abtrünnigen“) als Kampf für das nationale Interesse darzustellen. Diese kleinen Menschen aber, mögen sie auch noch so fehlerhaft und abgeschottet sein, haben die Wahrheit auf ihrer Seite, und das ist die erste Voraussetzung für Gerechtigkeit. Sie verändert die Menschen und siegt.“

Miljan Mandić

Forum

Forum für junge Leader

10. december

Gradsko pozorište Jazavac, Banja Luka

Masterclass: Das Problem der Identität – Betreuerin: Ana Dević

Ein Gespräch über Politik oder die Politisierung der Identität. Es wird über den Zweispalt zwischen der Überzeugung, die Identität sei
das, was wir als Individuen über sich selbst denken und glauben einerseits, und den Identitätsmerkmalen andererseits, die uns in Familie, Schule, Religionseinrichtungen, Medien und aus den staatlich dirigierten Formen aufgezwungen werden, gesprochen. Glauben wir daran, dass es zwischen solchen Identitäten ein harmonisches Verhältnis gibt oder geben soll? Erkennen wir diesen Zwiespalt oder eher nicht? Können wir etwas dafür tun, diese Kluft zu überbrücken?

Ana Dević ist Soziologieprofessorin, die an zahlreichen Universitäten in den USA und Europa (Deutschland, Italien, Großbritannien, Serbien, Türkei) unterrichtet hat. Derzeit hat sie eine Professur an der Universität KU in Löwen inne.

Masterclass: Gründe fürs Gehen, Gründe fürs Bleiben – Betreuerin: Chris Keulemans, Willemijn Lamp

Viele junge und begabte Menschen im Westbalkan träumen davon auszuwandern. Was muss sich ändern, damit sie bleiben? Welche Instrumente können wir nutzen, um eine bessere Gesellschaft zu schaffen? Und wenn sie gehen, wie können sie am besten diese
Gelegenheit nutzen?

Keulemans ist Mitbegründer und Kulturdirektor von drei Kulturzentren in Amsterdam: Perdu, De Balie und De Tolhuistuin. Er hat acht Drama- und Prosabwerke veröffentlicht, sowie zahlreiche Essays, Reiseberichte und Berichte über Krieg, Migrationen, Film, Fußball, Theater, urbane Fragen und visuelle Kuns. Lamp ist Mitbegründerin und eine der Leiterinnen des Literaturfestivals in Amsterdam Read My World. Sie arbeitet als freie Kuratorin, Dramaturgin, Theater- und Literaturkritikerin sowie Kunstberaterin.

Podiumsdiskussion

Herausforderungen unseres Zeitalters und der Wunsch nach einer prosperierenden Gesellschaft

10. december

Gradsko pozorište Jazavac, Banja Luka

Können wir allen Herausforderungen unseres modernen Zeitalters Rechnung tragen?

Konzert, Weltpremiere

Lieder der Befreiung

10. december

Gradsko pozorište Jazavac, Banja Luka

Emblematische Lieder aus dem 20. Jahrhundert, mit neuen und wunderbaren Arrangements von Dino Šukalo und in faszinierender Ausführung von Marija Šestić und Narcis Zečić.

Musiker: Marija Šestić (Vokal), Narcis Zečić (Vokal, Flöte), Dino Šukalo (akustische und elektrische Gitarren, Elektronik, Vokal), Adis Sirbubalo (Klaviatur, Elektronik, Akkordeon), Edvin Hadžić (Basgitarre, Gitarre, Uhr okal), Amar Češljar (Trommeln, Elektronik, Vokal) Arrangement: Dino Šukalo